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Sturmgeschütz III – Die Allzweckwaffe des Heeres

Ursprünglich sollte das Sturmgeschütz III die vorrückende Infanterie unterstützen, doch im Laufe des Krieges wurde es immer öfter als „Panzerersatz“ eingesetzt. Kein Wunder, denn es vereinte Zuverlässigkeit mit hoher Kampfkraft – und war daher bei der Truppe äußerst begehrt.
 
Sturmgeschütz III – Die Allzweckwaffe des Heeres © picture alliance / dpa


Mitte April 1945, in der Nähe Oldenburgs. Hier verlief ein Teil der „Seelöwen-Stellung“, eine Verteidigungslinie der Wehrmacht, die von Nordholland ostwärts bis zur Weser reichte. Es war der letzte Versuch, die vorrückenden Alliierten in dieser Region aufzuhalten, und um dieses Ziel zu erreichen, hatten die Deutschen einige ihrer bewährtesten Kampfwagen an die Front geworfen: Sturmgeschütze vom Typ III.

Die Besatzungen der 24 Tonnen schweren Fahrzeuge hielten angestrengt nach  gegnerischen Panzern Ausschau. Kommandant, Richtschütze, Ladeschütze und Fahrer bildeten jeweils eine eingespielte Mannschaft. Das war unverzichtbar, denn sobald der Feuerkampf aufgenommen wurde, musste in der stickigen Enge des geschlossenen Kampfraumes jeder Handgriff sitzen. Sie alle wussten, dass die starke Bugpanzerung und vor allem die niedrige Silhouette wichtige Trümpfe waren beim Duell mit den gegnerischen Sherman-Panzern. Die 75-mm-Kanone ihrer Sturmgeschütze konnte es mit allen alliierten Panzern aufnehmen, die Zieloptik war denen der anderen Seite überlegen. Eigentlich war der moorige Boden für schwere Kampffahrzeuge ungeeignet, das machte es aber auch dem Gegner schwer, das Sturmgeschütz (mit seinem geringen Seitenrichtbereich der Hauptwaffe) seitlich zu umgehen. Allerdings galt die Hauptsorge der Männer den „Typhoons“, feuerstarken schnellen Jagdbombern, die jederzeit auftauchen konnten. Sie wussten genau, dass die Panzerabwehr der deutschen Front auf den Sturmgeschützen ihrer Einheit beruhte; von ursprünglich 31 Exemplaren waren aber nicht mehr viele vorhanden.

Die hier auf den Feind wartenden Soldaten gehörten zur Fallschirm-Sturmgeschütz-Brigade 12 unter Hauptmann Gersteuer. Mit ihren Sturmgeschützen hatten sie bereits in der Normandie bei Saint-Lô gekämpft, dann bei Arnheim. Eine schlagkräftige Truppe – die es jetzt erneut mit einem mächtigen Gegner zu tun bekam. Es war die kampferfahrene 4th Canadian Armoured Division, die von Süden herannahte. Und sie verfügte über eine Ausstattung, von der die Wehrmachtsoldaten und Volkssturmmänner nur träumen konnten. Vor allem die fast pausenlose Unterstützung durch Jagdbomber und Artillerie hatte es den Kanadiern ermöglicht, in der Nacht zum 17. April bei Edewechterdamm einen Brückekopf über den Küstenkanal zu bilden und damit die Seelöwen-Stellung zu durchbrechen.
Als die Fallschirm-Sturmgeschütz-Brigade 12 am nächsten Tag schließlich auf die Kanadier traf, entbrannte ein kurzer, aber heftiger Kampf. Zwar konnte die Brigade den weiteren Vormarsch des Gegners nicht verhindern – doch sie fügte ihm empfindliche Verluste zu. Hier sei nur das Beispiel des Oberleutnants Heinz Deutsch angeführt, der am 24. April mit seinem Sturmgeschütz III einen kanadischen Panzer außer Gefecht setzte; insgesamt war es sein 44. Abschuss. Er wurde mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Bis Kriegsende gelang der Fallschirm-Sturmgeschütz-Brigade 12 der Abschuss von insgesamt 260 feindlichen Panzern. Eine beeindruckende Bilanz – die sie nicht zuletzt der Kampfkraft ihrer Sturmgeschütze III zu verdanken hatte.
 

Die Entwicklung

Das Sturmgeschütz III (StuG III oder Sd.Kfz.142) war im Zweiten Weltkrieg an fast allen Fronten im Einsatz. Dieses Kampffahrzeug lag technisch und taktisch irgendwo zwischen Panzer, Panzerjäger und Geschütz auf Selbstfahrlafette. Obwohl Sturmgeschütze organisatorisch zur Artillerie gehörten und ihren größten Wert bei der Panzerabwehr zur Infanterieunterstützung hatten, wurden sie häufig genug als „Panzerersatz“ eingesetzt. Das vielseitige Waffensystem war in den Kriegsjahren das meistgebaute gepanzerte Kampffahrzeug auf deutscher Seite. Auch die mit dem Dritten Reich verbündeten Staaten legten sich Sturmgeschütze zu, und selbst nach 1945 blieben sie außerhalb Deutschlands noch Jahrzehnte im Einsatz.

Die Entwicklung des Sturmgeschützes III geht auf eine Denkschrift Erich von Mansteins (seinerzeit noch Oberst) aus dem Jahre 1935 zurück. Darin forderte er ein gepanzertes, mit einem Infanteriegeschütz bewaffnetes Fahrzeug zur Feuerunterstützung der Infanterie. Es sollte hauptsächlich der Bekämpfung feindlicher Bunker, Feldbefestigungen und ähnlichen Zielen dienen. Bei der Reichswehr hatte es schon ein paar diesbezügliche Versuche gegeben, allerdings boten die verwendeten Fahrzeuge der Geschützbedienung kaum Schutz.

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