Leseprobe

Sturmgeschütz III – Die Allzweckwaffe des Heeres

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Das neue Konzept sah nun einen vollgepanzerten Kampfwagen mit Kettenlaufwerk vor, der mit einer kurzrohrigen Kanone im Kaliber 75 Millimeter bewaffnet war. Diese Kanone sollte eine ausreichende Panzerabwehrfähigkeit besitzen. 1937 entstand bei Daimler-Benz die 0-Serie des Sturmgeschützes III: fünf Fahrzeuge – noch aus ungehärtetem Stahl – mit dem ersten Laufwerk des Panzers III (2/ZW-Fahrgestell mit acht Laufrollen auf jeder Seite). Diese Fahrzeuge waren jedoch nicht frontverwendungsfähig und gingen an die Sturmartillerieschule in Jüterbog, wo sie noch bis 1941 zu Ausbildungszwecken dienten.

1939 und 1940 wurde die erste Serie des Sturmgeschützes III, die Ausführung A, produziert. Sie hatte schon das typische Laufwerk des Panzers III mit sechs Laufrollen pro Seite und die 75-mm-Sturmkanone L/24, wie sie auch in den ersten Versionen des Panzers IV zu finden war. Die Bugpanzerung war mit 50 Millimetern außerordentlich stark. Ab Mai 1940 begann bei der Firma Alkett die Fertigung der Ausführung B, einer geringfügig verbesserten Version.
 

Erste Einsätze

Im Polenfeldzug wurden keine Sturmgeschütze eingesetzt – und es zeigte sich, wie sehr man einer solchen Waffe zur Unterstützung der Infanterie bedurft hätte. Ihre Feuertaufe erhielten die noch sehr raren Sturmgeschütze erst im Frankreichfeldzug: Hier standen ab dem 10. Mai 1940 die Sturmgeschütz-Batterien 640 und 659 im Einsatz, später kamen weitere Batterien hinzu. Am Balkanfeldzug 1941 waren dann schon drei Sturmgeschütz-Abteilungen (184, 190 und 191) und die 16. Sturmgeschütz-Kompanie (sie gehörte zum Infanterie-Regiment Großdeutschland) beteiligt. Als der Russlandfeldzug („Unternehmen Barbarossa“) begann, verfügten die deutschen Truppen im Osten über 272 Sturmgeschütze, die auf elf Sturmgeschütz-Abteilungen und sieben Sturmgeschütz-Batterien verteilt waren. Eine Sturmgeschütz-Abteilung verfügte normalerweise über drei Batterien zu je sechs Sturmgeschützen, später kam ein siebtes für den Batteriechef hinzu.

Im Zeitraum 1941/42 war das Sturmgeschütz nicht auf allen Kriegsschauplätzen in gleicher Stärke zu finden. In Nordafrika etwa gab es 1942 nur drei Sturmgeschütze beim Sonderverband z.b.V. 288 und vier bei der Sturmgeschütz-Batterie 90. An der Ostfront hingegen zeigte das Sturmgeschütz III sein ganzes Potenzial. Angesichts der oft großen Kampfentfernungen und gut gepanzerter Feindpanzer wurde dort die Panzerabwehr zu seiner Hauptaufgabe – allerdings zeigte sich die kurze Sturmkanone der frühen Ausführungen dem keineswegs gewachsen. Weiterentwicklungen waren aber zunächst nur begrenzter Natur: so hatte die Ausführung C eine andere Zieloptik, die Ausführung D eine anders untergebrachte Funkanlage und die Ausführung D eine gänzlich andere Funkanlage (sie sollte der Ausstattung von Batteriechefs und Zugführern dienen). Im März erschien dann das Sturmgeschütz III, Ausführung F (Sd.Kfz.142/1). Wichtigste Änderung: Die kurzrohrige Sturmkanone war durch ein Langrohrgeschütz ersetzt worden.
 

Vom Infanteriegeschütz zum Panzerjäger

Es handelte sich um die Sturmkanone 40, auch im Kaliber 75 Millimeter, aber mit 43 Kaliberlängen (L/43), später dann mit 48 Kaliberlängen (L/48). Mit diesem Geschütz konnten sowohl Spreng- als auch Panzersprenggranaten verschossen werden; es war zum Direktbeschuß geeignet und auch zum indirekten Schuß. Mit dieser Sturmkanone (Stuk 40) ließen sich Feindpanzer hervorragend abwehren. Die ersten Sturmgeschütze der Ausführung F gingen an die Sturmgeschütz-Abteilung-Großdeutschland (21 Stück). Die Fertigung der Ausführungen F und F/8 lief aber bald zugunsten der Ausführung G aus, von der bei Alkett und MIAG vom Dezember 1942 bis April 1945 mehr Einheiten produziert wurden, als von allen anderen Baureihen vorher zusammen: rund 9000 Stück.

Die Sturmgeschützfertigung stieg auch deshalb so sprunghaft an, weil um die Jahreswende 42/43 die Fertigung des Panzers III auslief. Spätere Kampfwertsteigerungen des Sturmgeschützes betrafen vor allem die Defensivkraft: zusätzliche Bugpanzerung, seitliche Panzerschürzen, Zimmeritbelag. Ein vom Inneren aus bedienbares Rundumfeuer-MG auf dem Wannendach kam zur Einführung, wichtiger noch war die gegossene Rohrwiegenpanzerung („Saukopfblende“). Und ab Juni 1944 erhielt das Sturmgeschütz endlich auch ein Koaxial-MG (also ein in der Blende der Hauptwaffe montiertes Maschinengewehr), das von der Truppe immer wieder gefordert worden war.

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